Die hier zur Diskussion gestellte Anleitung soll auf zweierlei Art ein Werkzeug gegen die eigene Vergänglichkeit sein:
  

  • Zum einen wird das Ziel verfolgt, jedem eine praktikable Alternative zum Einfrieren zwecks Reanimation anzubieten – im wesentlichen durch Archivierung unzähliger digitalisierter Informationen zu  Erinnerungen, Gefühlen, Wünschen, Erfahrungen, Fahigkeiten sowie einer Zellprobe. 
       

  • Zum anderen soll - alternativ - die Basis für ein detailliertes virtuelles Vermächtnis gelegt werden – für alle, die ihren Nachkommen mehr als Fotos hinterlassen möchten.

Im Kern beruht die Anleitung auf zwei Ausgangsüberlegungen:
 

 

 

 

 
    • Alles, was einen Menschen ausmacht, hat seine Ursache in der Körperstruktur. 
       

    • Zwischen Körperstruktur, Erbmasse, Bewusstsein und Umfeld eines Menschen bestehen ergründbare Zusammenhänge.
       

 

 

 

 

 

 

 

 

So bestehen beispielsweise Zusammenhänge zwischen der Augenfarbe und dem Erbmolekül, aber auch zwischen einer Kindheitserinnerung und der molekularen Gehirnstruktur.
 

 

 

 

 

    Gelänge es nun, genügend geeignete Informationen zur neuronalen und genetischen Struktur eines bestimmten Menschen zu erfassen, ergibt sich eine überraschende Option: Es bestände nämlich eines Tages die Möglichkeit auf Grundlage solcher Informationen, diesen Menschen, inklusive seiner Erinnerungen, Wünsche, Fähigkeiten und Gefühle, Atom für Atom zu rekonstruieren und dadurch weiterleben zu lassen. Geeignete Werkzeuge dafür wären Künstliche Intelligenz (KI) und Nanotechnik.
 

 

 

 

 

    Davon ausgehend, begann ich im Frühjahr 1986 Methoden zu entwickeln, mit denen sich solche "Rekonstruktionsdaten" gewinnen lassen. Da ich mich damals unter anderem mit "evolutionären Lernalgorithmen" beschäftigte, war mir das Thema nicht völlig fremd und ich rechnete mit einem hohen Aufwand. Doch das Ausmaß überraschte mich. Nach wenigen Monaten war offensichtlich, dass erst einmal rationellere Arbeitsmethoden erforderlich sind. Jedes Detail verzweigte sich scheinbar endlos und vergrößerte den Aufwand unvertretbar.
 

 

Hoher Aufwand

 

 

 

    Bei späteren Recherchen stellte ich fest, dass andere längst ähnliche Überlegungen anstellten. Genau genommen, müssten sogar die Priester der Antike dazu zählen. Denn das Konservieren von Körper und Umfeld eines Pharaos ist zumindest konzeptionell ähnlich. Die früheste deutschsprachige Veröffentlichung zur Reanimation auf Basis von Daten fand ich in dem Buch "Wie der Mensch den Tod besiegt" von Klaus Reinhard. Wichtige dahingehende Überlegungen veröffentlichte z.B. auch Algimantas Malickas.
 

 

 

 

 

    In den folgenden Jahren arbeitete ich in unregelmäßigen Abständen weiter an dem Projekt, kam aber nicht recht voran. Dennoch ließ mich die Idee nicht mehr los. Außerdem suchte und suche ich bis heute nach prinzipiellen Denkfehlern immer noch misstraue ich dem einfachen Prinzip.
 

 

 

 

 

    Ab 1994 standen mir schließlich geeignete Verfahren und Rechner zur Verfügung, um das Projekt weiterzuführen. So dauerte die Optimierung des Eigennamen- Assoziationskomplexes nur noch zwei Tage per "Hand" hätten vermutlich Jahre nicht genügt.
 

 

 

 

 

    Eine Schwierigkeit beim Entwickeln der Anleitung war allerdings, dass immer noch wenig darüber bekannt ist, was uns als Mensch ausmacht. Insbesondere Gefühle und Bewusstsein sowie Unbewusstes geben Rätsel auf. Somit ist unsicher, welche Informationen für eine Rekonstruktion unabdingbar sind. Um dennoch schon mit heutigen Mitteln eine praktikable Anleitung zu erstellen, war es erforderlich, "vorbeugend" auch eventuell überflüssige Informationen zu erfassen. Dadurch hat sich zwar der Aufwand wieder erhöht, aber auch die Fehlertoleranz. Heraus kam eine unerwartet unkomplizierte, jedoch arbeitsaufwendige Anleitung, mit der nahezu jeder die erforderlichen Informationen für seine eigene Rekonstruktion erfassen und überliefern kann.
 

 

Schon 
heute prakti-
kabel

 

 

 

    Eine Rohfassung veröffentlichte ich 1996 im Internet. Aus aller Welt schrieben daraufhin Leser ihre Überlegungen. Damals erwartete ich mehr Widerspruch. Immerhin liegt der Anleitung die frustrierende Annahme zu Grunde, dass irgendwann intelligente Maschinen einen Menschen inklusive seines Bewusstseins analysieren und auf Datenbasis rekonstruieren können. Aber in einer Zeit, in der die Kluft zwischen Mensch und Maschine zunehmend kleiner wird, scheinen solche Prognosen allmählich ihren Schrecken zu verlieren. Heute ist es kaum noch eine Meldung wert, wenn Kinder mit virtuellen Welten spielen, Computer telefonisch Auskunft geben, Roboter Gehirnoperationen unterstützen oder Hörgeschädigte mit implantierten Miniaturrechnern wieder hören.
 

 

 

 

 

    Zahlreiche Leser steuerten sogar Verbesserungsvorschläge bei und eher vorsichtige Wissenschaftsmagazine bekundeten ihr Interesse. Gleichwohl half insbesondere Kritik, die Anleitung weiterzuentwickeln. An dieser Stelle noch einmal Dank an alle, die sich daran beteiligten. Besonders möchte ich mich bei dem Mediendistributor Georg Lingenbrink bedanken, durch dessen kluges Projekt "Books on Demand" es erst möglich wurde, Buch- und Internetversion sowie anderssprachige Fassungen urheberrechtlich komplikationslos zu veröffentlichen.
 

 

Hilfreiche Kritik

 

 

 

    Da sich meine Vermutung, allein Technikbegeisterte und Fachleute interessieren sich für diese doch recht abstrakte Methode, als falsch erwies, bemühte ich mich, wo vertretbar, ohne Fachjargon auszukommen (den Vorwurf der Simplifizierung ertrage ich gegebenenfalls gefasster, als den, Einfaches zu verkomplizieren). Wer weiterführende Informationen zu den hier behandelten Themen benötigt, findet im Anhang eine Reihe hervorragender Literatur dazu.
 

 

 

 

 

    Das in der Internetveröffentlichung verwendete Kunstwort RAMCES (ReAnimation Precondition Method: Creating an Extensive Self-Recording) zur vereinfachten Kennzeichnung der Methode wird hier beibehalten. Den technisch assoziierten Begriff "Rekonstruktion" verwende ich hier nicht ganz zutreffend, doch auch Begriffe wie Rematerialisierung, Reanimation, Wiederbelebung, Wiederverkörperung oder Wiedergeburt erscheinen mir nicht geeigneter. Informationseinheiten sind zur besseren Vergleichbarkeit in Bit angegeben Bit ist die Abkürzung für Binary Digit, die kleinste technische Speichereinheit.
 

 

 

 

 

    Ein wichtiges Ziel war, dass zum Abarbeiten der Anleitung kein Fachwissen oder Spezialgeräte notwendig sind. So werden Erbinformationen mit Paraffin archiviert und alle anderen Informationen mit Videotechnik. Das erscheint zwar in Anbetracht der Zielstellung geradezu grotesk, doch immer wieder stellte sich heraus, dass gerade einfache Verfahren mächtig und universell sein können. So lassen sich in einer Wachskugel mit drei Zentimetern Durchmesser der genetische Code von 300 Millionen Menschen inklusive aller bekannten Säugetier-, Vogel-, Reptilien-, Insekten- und Pflanzenarten dauerhaft konservieren. Dagegen ist es heute nur mit Milliardenaufwand machbar, die Erbinformation eines Menschen zu analysieren und auf Hitec-Datenträger zu konservieren. Auch ermöglichen wenige Minuten Videointerview potenziell detailliertere Rückschlüsse zur neuronalen Feinstruktur, als aufwändige Untersuchungen mit den besten Kernspintomographen.
 

 

Zielstel-
lung

 

 

 

    Ich muss gestehen, dass dieser Text aus dem "oberlehrerhaften" Wunsch heraus entstand, dass möglichst viele Menschen die Plausibilität und Machbarkeit der RAMCES-Methode für sich überprüfen. Ziel ist es, Ihnen, lieber Leser, dazu die Methode vorzustellen und die Argumente zur Beurteilung vorzulegen. Dabei soll sich die Plausibilität logisch und anhand von gegenwärtigen Technologieentwicklungen ergeben, andernfalls habe ich Ihre Zeit nur mit einer technisch-romantischen Fantasterei in Anspruch genommen.
 

 

Anliegen

 

 

 

    Ob allerdings der Mensch das Recht hat, seine Existenzdauer nach Belieben festzulegen, dazu finden Sie hier keine zwingende Argumentation. Es scheint lediglich so zu sein, dass sich aus den bekannten Naturgesetzen und insbesondere aus dem Evolutionsalgorithmus kein Einwand ergibt. Offenbar stehen alle Entitäten, also auch der einzelne Mensch, seine Bewusstseinsbestandteile und Ideen, gleichberechtigt im Wettbewerb um Existenz. Jemand, der seine Existenz mit welcher Methode auch immer verlängert, sollte demnach mit Widerstand auf allen Ebenen rechnen. Denn nicht nur Krankheitserreger, Alterungsgene oder Zerfallsprozesse sind hartnäckige Gegner, sondern auch Leitgedanken, die es uns erleichtern, sich mit dem Tod abzufinden.
 

 

Haben wir das Recht dazu?

 

 

 

    Eine Reihe der zur Rekonstruktion benötigten Technologien werden heute bestenfalls in Ansätzen verwendet. Um trotzdem zu verdeutlichen, wie eines Tages aus Daten wieder ein Mensch aus Fleisch und Blut rekonstruiert werden könnte, befinden sich in den Ausführungen dazu teilweise Zukunftsprognosen. Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen, aber solange solche Prognosen auf gegenwärtige Entwicklungen aufbauen und sie keine Naturgesetze verletzen, sind sie meiner Meinung nach nicht völlig aus der Luft gegriffen. Um dagegen die Voraussetzungen für eine Rekonstruktion herzustellen, werden keine Zukunftstechniken benötigt. Hierzu genügen erprobte Methoden und handelsübliche Technik unserer Zeit. Anhand der Beispiele aus der Anleitung können Sie gegebenenfalls testen, ob die RAMCES-Methode für Sie durchführbar ist.
 

 

 

 

 

    
 

 

 

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