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Wenn jemand bei der Ulmer Firma Interactiva maßgeschneiderte Erbmoleküle
bestellt, dann werden aus Datenträgern
z.B. Festplatten, CD-ROMs oder
elektromagnetische Schwingungen
Zellbausteine. Die Firma stellt nämlich
via Internet zugesendeten Informationen Erbmoleküle her. Sicher ist es
noch ein weiter Weg bis sich Informationen in lebensfähige Zellen oder
gar Vielzeller umwandeln lassen, aber es scheinen keine unüberwindbaren
Hürden auf dem Weg zu liegen. |
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Es lässt sich natürlich nur vermuten, wie eines Tages
aus dem RAMCES-Datensatz ein atomgenauer Bauplan und daraus ein Mensch
werden könnte. Schon eine einzige Schlüsselentdeckung kann völlig
unerwartete Wege ermöglichen. Berücksichtigt man aber nur gegenwärtige
Technologien, könnte es etwa so ablaufen: Als Erstes müssen alle
relevanten Informationen gefunden, aufbereitet, analysiert und vernetzt
werden. Informationsquellen sind dabei nicht nur die individuellen
Videoaufzeichnungen und Erbmoleküle, sondern auch Datenbanken,
Weltwissen, Museen und Archive. Das könnte mit Software geschehen, die
den heutigen Internet-Suchmaschinen ähnelt. Jedenfalls ist es damit
momentan schon machbar, Daten im Terabyte-Bereich zu verknüpfen
allerdings noch nicht besonders intelligent. |
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Ein hypothe- |
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Die so aufbereiteten Informationen sind danach zwar
vernetzt, aber nicht auf die gleiche Weise wie im Gehirn. Um mit diesen
Daten, die Simulation eines neuronalen Netzes zu erstellen, lassen sich
eventuell Vorgänge nachahmen, die auch während der Entwicklung des
menschlichen Gehirns stattfinden. Nach bisherigen Kenntnissen werden im
Gehirn, ausgehend von einer in weiten Bereichen zufälligen
Ausgangsvernetzung, je nach Anforderung nach und nach Bestandteile
stabilisiert, neugebildet und abgebaut. Die Kriterien dazu scheinen
evolutionär zu sein. Das heißt, auch hier regieren Algorithmen, die die
fitesten Bestandteile bevorzugen. Das erscheint zwar einfach, ist aber auf
der Ebene des menschlichen Gehirns das Komplexeste, was wir kennen. Denn
was beispielsweise eine neuronale Teilstruktur unterstützt, entscheidet
sich innerhalb eines dichten Geflechtes von Beziehungen aller
Komplexitätsebenen
eventuell angefangen von der Ebene der
Elementarteilchen über die Ebene der Atome, Moleküle, Zellen,
Zellgruppen, Individuen, Gesellschaften bis hin zum gesamten Umfeld. Eine
Aufgabe bei der Herstellung der neuronalen Simulation wird also sein,
anhand der verfügbaren Informationen dieses Beziehungsgeflecht
bestmöglich zu rekonstruieren. |
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Evolution der synap- |
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Anschließend sind die Ergebnisse in einen atomgenauen
Körperbauplan umzuwandeln. Beispielsweise müssen zur Rekonstruktion von
Assoziationsfeldern die Positionsdaten aller Bestanteile der
Nervenzellenverknüpfungen errechnet werden. Ähnliches gilt für alle
Zellgruppen und für alle Zellen inklusive ihrer Bestandteile. Das
bedeutet beispielsweise: Für ein Neurotransmittermolekül, das sich in
der Synapse eines Zellgeflechtes befindet, welches für ein Hochgefühl
mitverantwortlich ist, muss bei der Rekonstruktion wieder eine
wirkungsidentische Molekülkonstellation geschaffen werden. |
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Atom für Atom |
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Das Erstellen eines atomgenauen Bauplanes erscheint
aufgrund des enormen Rechenaufwandes gegenwärtig kaum vorstellbar. Doch
sollte das Entwicklungstempo der Rechentechnik anhalten, ist schon in
wenigen Jahrzehnten das erforderliche Niveau erreicht. Zudem sind die
meisten Berechnungen nur einmal nötig, da sich fast alle Bestandteile des
menschlichen Körpers aus identischen Bausteinen zusammensetzen. Der
Körper besteht nur aus zirka 300 verschiedenen Zellarten. Ein 75 kg
schwerer Mensch enthält z.B. zirka 24 Billionen identische Blutzellen.
Somit ist lediglich erforderlich, den Blutzellenbauplan nur einmal zu
rekonstruieren. Und auch der Bauplan einer Blutzelle enthält
Wiederholungen. Das Hämoglobin-Molekül besteht aus einer 141-teiligen
Sequenz von 20 verschiedenen Aminosäuren, das wiederum milliardenfach in
jeder Zelle enthalten ist. |
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Nicht unmöglich |
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Mit welchen Verfahren nun aus einem atomgenauen Bauplan
wieder ein Mensch entstehen könnte, lässt sich ebenfalls nur vermuten.
Aus heutiger Sicht scheint eine biologische Variante der sogenannten
Nanotechnik in Frage zu kommen. Bei dieser Variante sollen programmierbare
Moleküle im Legoprinzip organische Strukturen herstellen. Da sich aus
programmierbaren Molekülen praktisch beliebige Produkte mit einfachen
Rohstoffen preiswert herstellen lassen, wird momentan viel Geld in die
Nanotechnik investiert. Bisher steckt diese mächtige Universaltechnologie
aber noch in den Kinderschuhen. Doch ihre Machbarkeit beweist die Natur
allgegenwärtig. Alles was lebt, ist das Werk des Zusammenspiels komplexer
Moleküle. Beispielsweise sind die Chlorophyll-Moleküle der Pflanzen in
der Lage, aus einfachen Rohstoffen wie Wasser, Kohlendioxid und
Lichtenergie Zuckermoleküle zu synthetisieren. Andere Moleküle verketten
diese wiederum zu stabilen Gerüsten, aus denen beispielsweise Bäume
aufgebaut sind. |
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Nano- |
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Wie auch immer der technische Prozess einer Umwandlung
von Daten in Fleisch und Blut sein wird, für den Rekonstruierten
nennen
wir ihn Jan Neumann
könnte es etwa so ablaufen: |
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Der Tag X |
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Jan Neumann erwachte am 4. Mai 2081, kurz nach 8 Uhr. Langsam drang in
sein Bewusstsein, dass er Jahrzehnte "geschlafen" haben musste.
Heute ist also der erste Tag seines neuen Lebens. Er hat viel zu erledigen
in den nächsten Jahren. Erleichtert wird ihm dieses nur dadurch, dass er
solange, wie er es für richtig hält, in der Nachbildung seiner Wohnung
lebt. Sie befindet sich im Zustand des Jahres 2021. Sogar der Inhalt der
Schränke entspricht detailliert dem des Jahres 2021, diesem letzen Jahr
seines alten Lebens. Leider ist auch seine Gehbehinderung noch die Alte.
Doch neu erwacht in einer Welt fast unbegrenzter Möglichkeiten, weiß
Jan, dass sich auch sein linkes Bein wiederherstellen lässt. Natürlich
könnte er sofort beginnen, die neue Welt zu erkunden oder nach Verwandten
zu suchen. Aber das hat Zeit ... |
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Sicher kommt das Erwachen aus einem langen Koma der Situation nach einer
Rekonstruktion am nächsten. Allerdings gibt es im Gegensatz zum Koma
keinen körperlichen Verfall oder rapiden Gedächtnisverlust. Und
natürlich ist es auch ein entscheidender Unterschied, ob man nur für
einige Monate "abgeschaltet" war, oder ob man sich in einem
anderen Jahrzehnt oder gar Jahrhundert wiederfindet. Zur Verringerung der
psychischen Belastung ist es deshalb sicherlich von Vorteil, wenn der
Reanimierte für eine Übergangszeit ein gewohntes Umfeld vorfindet
mit
Nanotechnik ohne besonderen Aufwand realisierbar. |
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Vermutlich ist es auch zur Vermeidung von
Identitätsproblemen von Vorteil, wenn der Körper des Reanimierten nur
soweit verändert wird wie notwendig. Dagegen sind aus heutiger Sicht
nachträgliche "Verbesserungen" unproblematisch. So ist das
Anpassen an Wissen und Fähigkeiten der Menschen des Rekonstruktionsjahres
genauso denkbar, wie das Beseitigen angeborener Krankheiten oder die
Verringerung des biologischen Alters.
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Nachfolgend einige Illustrationen, die die
Komplexität der Umwandlung von Daten in Körperstrukturen verdeutlichen.
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Neuronales
Netz
solche Strukturen sind die materielle Entsprechung des
Bewusstseins.
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Nervenzelle
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Synapsen
über diese Kontaktstellen kommunizieren Nervenzellen miteinander.
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Modell
eines Rezeptors
Durch den Ionenkanal gelangen z.B. die für die
Signalübertragung benötigten Moleküle aus und in die Synapsen.
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Schema
einer Zelle mit ihren wichtigsten informationstragenden Bestandteilen.
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Mitochondrien
sind nicht nur die wichtigste Energiequelle, sondern sie besitzen auch
eigene Erbmoleküle (mtDNA). Bei der Rekonstruktion ist ihre Auswertung
eine wichtige Informationsquelle.
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Ein
DNA-Abschnitt bestehend aus 20 Basenpaaren
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Einzelnes
DNA-Basenpaar
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Schnittbild
durch eine bewegungsfähige röhrenförmige Mikrotubili. Einige Forscher
vermuten in diesen Zellbausteinen bewusstseinsrelevante Vorgänge auf
Quantenniveau.
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Ausschnitt
einer Zellmembran
bei einer Rekonstruktion werden solche Strukturen am
häufigsten auftreten.
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Entwurf
eines Nanoroboters
mit derartigen Konstruktionen werden vielleicht eines
Tages Daten in atomgenaue Strukturen umgewandelt. Einige Entwürfe wurden
sogar schon patentiert.
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[Homepage]