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Ob oder wann sich ein Mensch auf Grundlage von Daten rekonstruieren
lässt, hängt hauptsächlich von der Entwicklung unserer technischen
Fähigkeiten ab. Eine Voraussetzung ist die milliardenfache Steigerung der
verfügbaren Rechenleistung. Da eine derartige Leistungssteigerung nicht
innerhalb des halbwegs übersehbaren Zeitraums von 10 Jahren
wahrscheinlich ist, stellt sich zuerst die Frage nach der Verlässlichkeit
weit reichender Zukunftsprognosen. |
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Bei der Suche nach einer Antwort ist es sinnvoll,
zwischen drei Zeiträumen zu unterscheiden. Prognosen über wenige Jahre
sind häufig noch richtig. Wer etwa 1999 schätzte, dass Computer
natürliche Sprache im Jahre 2005 mit 99 prozentiger Genauigkeit erkennen,
hat gute Aussichten richtig zu liegen. Gleiches gilt für die Vorhersagen,
dass bis zum Jahre 2003 das menschliche Genom kartiert ist, oder dass in
den nächsten fünf Jahren zunehmend Kommunikation und Unterhaltung über
das Internet erfolgen. |
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Dagegen sind Vorhersagen über 10 bis 30 Jahre häufig
zu optimistisch. Erinnert sei an die Ankündigungen aus den 70ern, man
werde in spätestens 15 Jahren Computer bauen, die über "Künstliche
Intelligenz" verfügen, die sich mit dem Menschen messen kann. In
Wirklichkeit gibt es momentan keinen Rechner, der auch nur das Übersetzen
eines lyrischen Textes zufriedenstellend bewältigt. Selbst auf dem
ureigensten Gebiet des Rechnens und Kombinierens, nämlich beim Schach,
konnte einer der leistungsfähigsten Rechner, der "DeepBlue" von
IBM, den Schachweltmeister Garry Kasparow erst 1997 schlagen
und das
nicht durch bewusste Intelligenz, sondern mit der brachialen
Rechenleistung seiner 512 Prozessoren, die 200 Millionen Schachstellungen
je Sekunde bewerteten (Hier die
letzte Partie zum Nachspielen). |
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10 - 30 Jahre oft zu optimis- |
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Umgekehrt erweisen sich Prognosen, die über 30 Jahre
hinausgehen, oft als zu vorsichtig. Einer der Gründe ist wohl, dass
Erfindungen, die neue Technologien nach sich ziehen, nicht vorhersagbar
sind. Wohl kaum ein Militärexperte vermutete 1948 in der Spielzeugkiste
seiner künftigen Enkelkinder Millionen Mal leistungsfähigere Rechner als
seine neueste 15-Millionen-Dollar-40-Tonnen-Rechenanlage. |
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Über 30 Jahre - oft zu
beschei- |
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Eine Ursache für die Unberechenbarkeit ist, dass
winzige Änderungen in komplexen Systemen mit zunehmender Zeit völlig
neue Entwicklungsrichtungen verursachen können. Erfindet beispielsweise
jemand beim Frühstück einen preiswerten Quantenprozessor, könnte sich
innerhalb weniger Jahre die Leistung der Rechentechnik um mehrere
Größenordnungen erhöhen. Genau aus dieser Technik erwachsen dann
wiederum unerwartete Neuentwicklungen und technologische Fähigkeiten. |
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Ideen mit großer Wirkung |
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Aber nicht nur nach der Erfahrung erscheinen weit
reichende Zukunftsprognosen als unsicher. Der Komplexitätsforschung
gelingt es immer besser, mathematisch zu belegen, warum vielschichtige
Systeme zwangsläufig unberechenbar sind. Auch wird langsam sichtbar,
unter welchen Bedingungen aus einfachen Strukturen ohne mysteriöse
Kräfte komplexe Systeme mit unerwarteten Eigenschaften entstehen
einschließlich unter welchen Bedingungen aus Elementarteilchen Moleküle,
Lebewesen und subjektives Bewusstsein entstehen. |
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Da die menschliche Gesellschaft ein besonders
vielschichtiges System ist, sollte man diesbezügliche Vorhersagen
lediglich als grobe Schätzung betrachten
das gilt natürlich auch für
alle in diesem Buch enthaltenen Vorhersagen. |
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Trotz aller Unsicherheit wird eine unendlich weit
reichende Zukunftsprognose häufig geäußert. Sie lautet:
"Niemals". Zwar lassen sich Niemals-Prognosen oft nur in ferner
Zukunft durch Fakten widerlegen. Aber einige sind schon heute Geschichte. |
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Vorsicht bei Niemals- |
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So behaupteten anlässlich der Weltausstellung 1893
führende Autoritäten allen Ernstes (unter anderem der Eisenbahnbaron
George Westinghouse), Lokomotiven werden niemals eine Reisegeschwindigkeit
von über 165 km/h erreichen, da die physikalischen Gesetze beim Bremsen
technisch unbeherrschbar sind. Offensichtlich falsch: So befördert seit
seiner Inbetriebnahme 1964 der Japanische Express Shinkansen jährlich 100
Millionen Fahrgäste mit einer Spitzengeschwindigkeit von 275 km/h
zwischen Tokyo und Osaka. |
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Guglielmo Marconi (1874-1937), ein italienischer
Physiker und Ingenieur, Erfinder der drahtlosen Telegrafie, hielt man für
einen Fantasten, weil er behauptete, Funkwellen könnten eines Tages den
Atlantik überqueren. Man rechnete ihm vor, dass dazu eine Antenne von der
Größe Nordamerikas erforderlich wäre. |
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Ernest Rutherford, Lord of Nelson and Cambridge
(1871-1937), einer der Begründer der modernen Atomphysik, erklärte noch
im Oktober 1937: "Wer an die Gewinnung von Atomenergie glaubt, bellt
den Mond an." |
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1952 prognostizierte der Nobelpreisträger Erwin
Schrödinger (1887-1961): "Wir werden niemals mit einem einzelnen
Elektron oder Atom experimentieren ...". 1989 erhielten Wolfgang Paul
und Hans Georg Dehmelt für die Erfindung und Weiterentwicklung einer
"Ionenfalle" den Nobelpreis. |
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Ein Grund, der Mögliches als unmöglich erscheinen
lässt, ist häufig das Vernachlässigen von intelligenten Lösungen. So
rechnete ein Fachjournalist in einem ansonsten kompetenten Beitrag vor,
dass zum Übertragen des atomgenauen Bauplanes eines Menschen zirka 25
Billionen Jahre erforderlich sind. Er legte zu Grunde, dass der Mensch aus
1028 Atome besteht, deren Positionsdaten mit je 8 000 Bit per ISDN-Leitung
übertragen werden. Sieht man davon ab, dass erheblich effektivere
Übertragungsverfahren existieren (kommerziell ist heute das
1,5-millionenfache je Glasfaser erhältlich), und dass beim gegenwärtigen
Entwicklungstempo im Jahre 2090 die Übertragung nur noch Sekunden dauert,
wurde doch zu kurz gerechnet. Es ist nämlich nicht notwendig, die
Positionsdaten jedes einzelnen Atoms zu übertragen, da sich der Mensch
zum überwiegenden Teil aus identischen "Bestandteilen"
zusammensetzt. So bestehen die meisten Erbmoleküle und Zellwände aus
identischen Molekülgruppen und diese sind wiederum Segmente der Zellen.
Es genügt also Codenummern für die entsprechende "Baugruppe"
zu übertragen. |
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Teilweise stellte ich durch Nachfragen fest, dass die
Niemals-Prognosen eigentlich im Sinne von "niemals, solange ich
lebe" gemeint ist. Bei einer kleinen Umfrage bat ich Hochschullehrer
einzuschätzen, ob es möglich ist, eine lebensfähige Maus nur auf
Grundlage von Daten herzustellen. Die Frage war offenbar zu
undifferenziert gestellt, denn die Antwort lautete fast immer
"nein", während bei einer Zeitvorgabe von 200 Jahren
überwiegend mit "vielleicht" geantwortet wurde. |
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Wie sieht es aber aus, wenn Naturgesetze gegen die
Machbarkeit sprechen? In diesen Fällen ist sicher eine Niemals-Prognose
gerechtfertigt. Doch eine Garantie für ihre Richtigkeit gibt es dennoch
nicht. Denn die Vergangenheit lehrt, dass auch vielfach bestätigte
Naturgesetze unvollständig sein können. So mussten die so eindeutigen
Newtonschen Gesetze durch die Relativitätstheorie präzisiert werden. Und
auch die Relativitätstheorie bedarf nach Ansicht von Verfechtern der
Stringtheorie einer Erweiterung. |
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Stellt sich ein Naturgesetz als falsch oder
unvollständig heraus, müssen die darauf aufbauenden Niemals-Prognosen
überprüft werden. So sind Zeitreisen in die Vergangenheit nach heutigem
Wissen niemals möglich. Sollte sich aber die 1957 aufgestellte
Viele-Welten-Theorie des Physikers Hugh Everett als richtig erweisen, ist
eventuell auch diese Prognose nicht mehr verlässlich. |
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Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich. Aufgrund
neuer Theorien kann Mögliches plötzlich als unmöglich erkannt werden.
So beschrieb R. J. Boscovic 1763 in einem genialen
Buch Gesetzmäßigkeiten, mit deren Hilfe es machbar sein sollte
Erscheinungen vorherzusagen, solange man nur die Anfangsbedingungen genau
genug kennt (später Laplacescher Determinismus genannt). Nach
experimenteller Bestätigung von Werner Heisenbergs Formulierung der
Unschärferelation gilt heute der Determinismus als in der Praxis
unbrauchbare Annahme über die Welt. Die Unschärferelation besagt
nämlich, dass Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens nicht gleichzeitig
exakt zu bestimmen sind. Beispielsweise lässt sich ein Hurrikan selbst
mit Kenntnis der Position aller Elementarteilchen des Universums nicht
vorhersagen, da dann die Geschwindigkeit der Teilchen unbekannt ist. Aber
wie erwähnt, verlassen kann man sich darauf nicht. Im Volksmund gibt es
dazu wohl die klügste Empfehlung: "Sag nie nie." |
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Obwohl bisher kein Naturgesetz bekannt ist, welches
gegen eine RAMCES-Rekonstruktion spricht, kann also nicht zweifelsfrei
festgestellt werden, ob sie realisierbar ist, und falls sie realisierbar
ist, lässt sich der Zeitpunkt nicht kalkulieren. Um dennoch zumindest
grob abzuschätzen, wann die erforderlichen Technologien zur Verfügung
stehen könnten, hilft vielleicht die Betrachtung des bisher Erreichten
weiter. |
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Doch um überhaupt erst einmal die
Rekonstruktionsvoraussetzungen schaffen zu können, müssen die dazu
erforderlichen Technologien schon heute verfügbar sein. Noch vor 30
Jahren war geeignete Aufzeichnungstechnik zu kostspielig oder nicht
erhältlich. Heute kostet eine Videokamera mit Videoband für 1 000
Stunden nur noch zirka 1 200 Dollar. Zudem beginnt gerade die
Markteinführung der DVD-Technik. Durch die damit verbundene
Digitalisierung steigt die Qualität und Lagerfähigkeit der Aufnahmen auf
ein für die RAMCES-Methode ausreichendes Niveau. Damit ist die erste
Hürde überwunden. |
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Anders verhält es sich mit der Rekonstruktionstechnik.
Noch befinden wir uns sowohl technisch als auch wissenschaftlich weit vor
dem Ziel. Um zu veranschaulichen, wo wir uns heute befinden und wie es
weitergehen könnte, hier einige Betrachtungen zu den wichtigsten
Techniken und Kenntnissen. |
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Weit vor dem Ziel |
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Um die Informationen der Zellprobe und der Videoaufzeichnungen in eine
Simulation der Zellstruktur des Anwenders umzuwandeln, ist eine Maschine
erforderlich, die mindestens die Komplexität der Zellstruktur des
menschlichen Körpers aufweist. Nun ist mit heutigem Wissen die
Komplexität eines Menschen nicht messbar. Als einziger Maßstab bleibt
vorerst der Vergleich der Fähigkeiten. |
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Legt man zu Grunde, dass zur Simulation aller für das
Sein eines Menschen relevanten Einflüsse je Zelle durchschnittlich pro
Sekunde 100 000 Rechenschritte erforderlich sind, dann könnte ein
Homecomputer mit 500 MHz-Prozessor zirka 1 000 Zellen simulieren. Um die
zirka 100 Billionen Körperzellen eines Menschen zu simulieren, benötigt
man demnach einen Rechner der ungefähr 100-milliardenfach
leistungsfähiger ist. Zudem sind vermutlich Rechner- und
Softwarearchitekturen erforderlich, die die Arbeitsweise des menschlichen
Gehirns nachahmen. Das bedeutet in erster Linie massive parallele
Verarbeitung, was beispielsweise erreichbar durch Entwicklung von
Prozessoren ist, die Quanteneffekte ausnutzen und Software, die
evolutionäre Vorgänge simuliert. |
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Um aus der zellulären Simulation einen atomgenauen
Bauplan zu entwickeln, ist noch
einmal die 100-milliardenfache Rechenleistung7
heutiger Computer erforderlich. Umgerechnet erhält man heute also für 1
000 Dollar nur zirka 0,000 000 000 5 Prozent der zur Rekonstruktion
erforderlichen Rechenleistung. |
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Entwicklung der Rechenleistung in "Millionen Instruktionen pro Sekunde" über zwei Jahrzehnte. Angegeben ist die Leistung, die man jeweils für zirka 1000 Dollar bekam. Grundlage sind die Rechnertypen:
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Um nun abschätzen zu können, wann die
erforderliche Rechenleistung zur Verfügung steht, hilft die Betrachtung
der letzen 330 Jahre Technikentwicklung.2 Dabei fällt auf, dass sich seit
1673, als Gottfried Wilhelm Leibniz seine Rechenmaschine in London
vorführte, die Fähigkeit von Maschinen Informationen zu verarbeiten,
exponentiell erhöht hat. Wobei sich die Zeit bis zur Leistungsverdopplung
bei gleichen Kosten beständig verkürzt. Dauerte es anfangs zirka 40
Jahre sind es heute zirka 18 Monate. Die dafür verwendeten Bauteile
wandelten sich. Anfangs waren es Zahnräder, Federn und Hebel; danach
Relais, später Vakuumröhren, abgelöst von Transistoren und heute
integrierte Schaltkreise. |
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Wann diese Entwicklung beendet ist, lässt sich
nicht absehen. Integrierte Schaltkreise, wie wir sie heute in Computern
finden, werden wohl um 2020 am Ende
ihrer Entwicklungsfähigkeit8
angelangt sein, da ungewollte Quanteneffekte mit zunehmender
Packungsdichte an Einfluss gewinnen. Aber genau solche Quanteneffekte
ermöglichen die nächsten Entwicklungssprünge, wenn es gelingt, diese
Effekte gesteuert einzusetzen. Die exponentielle Erhöhung der
Rechenleistung könnte sich dann sogar noch mindestens ein Jahrhundert
fortsetzen. |
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2020 werden neue Techniken benötigt |
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Zunächst war die Idee mit Quanten zu rechnen, nur
als theoretisches Anschauungsmodell gedacht. Der Physiknobelpreisträger
Richard Feynman stellte es 1982 seinen Kollegen vor. Doch als 1994 Peter
Shor von den Bell Laboratories in New Jersey bewies, dass sich mit
Quantencomputern bestimmte Rechenalgorithmen effektiver als mit
herkömmlichen Computern bewältigen lassen, begann eine intensive Suche
nach technischen Lösungen. Die begehrte Eigenschaft von Quanten ist,
vereinfacht ausgedrückt, dass sie scheinbar alle alternativen Zustände
und Wege gleichzeitig "abtasten", bevor sie durch eine Messung
in einen bestimmten Zustand gezwungen werden. |
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Gegenwärtig verfolgen Forscher mehrere
Strategien, um diese Eigenschaft auszunutzen. Beispielsweise wird daran
gearbeitet einzelne Quanten in sogenannten Ionenfallen oder in Käfigen
aus Atomen zu stabilisieren. Ein weiterer Weg besteht darin, mit einer Art
umgebauten Kernspintomographen Quantenzustände statistisch auszuwerten.
Vielversprechend, aber noch am wenigsten entwickelt, ist das Rechnen mit
Lichtquanten. |
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Bisher gelang es lediglich, mit drei Quanten
gleichzeitig zu rechnen. Da sich die Leistungsfähigkeit mit jedem
zusätzlichen Quant verdoppelt, sind Prozessoren auf Quantenbasis schon
mit zehn Quanten wirtschaftlich. Ein 800-Quantenprozessor könnte sogar im
Bruchteil einer Sekunde mehr alternative Varianten für eine neuronale
Simulation bewerten, als es Atome im Universum gibt. |
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Aufgrund derartig hoher Rechenleistungen lassen
sich fast augenblicklich bisher als sicher geltende
Verschlüsselungsverfahren knacken. Es verwundert deshalb nicht, dass
Militär und Industrie das Potential dieser Technologie erkannt haben. Sie
stellen gegenwärtig trotz des relativ frühen Erkenntnisstadiums
überdurchschnittlich hohe Forschungsgelder bereit. |
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Rechnet man die Entwicklung der Rechnerleistung
der vergangenen 50 Jahre konservativ hoch, dauert es 50 bis 60 Jahre bis
die erforderliche Leistung für 1 000 Dollar zur Verfügung steht. Ist
jedoch der hier zu Grunde gelegte Rechenaufwand für eine
RAMCES-Rekonstruktion um das 1 000 000 000-fache zu niedrig angesetzt,
dann steht die Rechenleistung etwa im Jahre 2090 Jahre zur Verfügung. |
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Spätestens 2090 |
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Nanotechnik |
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Ziel der RAMCES-Rekonstruktion ist ein Mensch aus
Fleisch und Blut. Wie schon erwähnt, scheint aus heutiger Sicht, die
Nanotechnik eine geeignete Technologie zu sein, um Daten in biologische
Strukturen umzuwandeln. Vereinfacht ausgedrückt, müsste sich mit
Nanotechnik das nachahmen lassen, was uns die Natur vorlebt
nämlich die
gesteuerte Synthese und Verdopplung von Strukturen aus Makromolekülen
durch Makromoleküle. Letztendlich verdankt jedes Lebewesen diesem Prinzip
seine Existenz. |
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Vorbild Natur |
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Die Idee zur Nanotechnik stammt wieder von Richard
Feynman. Am 29. Dezember 1959 wies er in seinem visionären Vortrag
"There's Plenty of Room at the Bottom", darauf hin, dass
wissenschaftlich nichts gegen den Bau von Maschinen in atomarem Maßstab
spricht. Eric Drexler entwickelte 26 Jahre später diese Idee in seinem
Buch "Engines
of Creation" kompromisslos weiter. Seit dem griffen Forscher in
der ganzen Welt diese Gedanken auf. Heute ist das gezielte Beeinflussen,
Vermessen, Bearbeiten und Aufbauen von Materie im atomaren Maßstab aus
Forschung und Industrie nicht mehr wegzudenken. Man ist gegenwärtig in
der Lage: |
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Feynman´s Vision |
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Oberflächen
gezielt mit einzelnen Atomlagen zu beschichten. |
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fußball-
und röhrenförmige Gerüste aus Kohlenstoffatomen zu erzeugen (Fullerene) |
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einzelne
Atome mittels Rastersondentechnik abzutasten und zu platzieren |
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DNA-Moleküle
ähnlich wie ein Roboterarm zu verwenden, um einzelne Moleküle zu bewegen |
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Nadrian
C. Seeman, Professor an der New York University und einer der führenden
Köpfe auf diesem Gebiet, schätzt, dass zwischen 2010 und 2020 die ersten
voll kontrollierbaren Nanomaschinen hergestellt werden. |
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Genetik |
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Als
im Januar 1997 das Blöken des geklonten Schafes Dolly die Öffentlichkeit
erschreckte, entstand der Eindruck, als ob durch Gentechnik nun fast jede
Manipulation zu befürchten ist. Unbegründet sind diese Ängste nicht.
Schon fünf Monate später warb eine Sekte im Internet mit dem Angebot
Kinder zu klonen. Offenbar sind die daraufhin auf den Weg gebrachten
Gesetze notwendig, um Gesellschaft und Forschung zumindest Zeit
einzuräumen, die Folgen abzuschätzen und sich gegebenenfalls darauf
einzustellen. |
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Die momentanen Kenntnisse berühren jedoch
bestenfalls die Oberfläche. Selbst wenn voraussichtlich noch vor dem
Jahre 2003 das gesamte menschliche Genom entschlüsselt ist, bereitet doch
das Klären der Funktionsweise der einzelnen Gene große Probleme. Es ist
sogar umstritten, wie komplex das Zusammenspiel der Gene tatsächlich ist
und über welche Fähigkeiten sie verfügen. So weisen Experimente mit
Bakterien darauf hin, dass das Genom über kybernetische Kapazität
verfügt. Sollte sich das bewahrheiten, ist die Bekämpfung von Krebs,
Autoimmunkrankheiten, Infektionen und Alterungserscheinungen erheblich
schwieriger als bislang vermutet. |
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Noch am Anfang |
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Vermutlich ist eine nahezu lückenlose Erklärung
des menschlichen Genoms erst möglich, wenn es gelingt, die Entwicklung
eines Embryos auf molekularer Ebene näherungsweise zu simulieren. Eine
Klärung ist dann an die verfügbare Rechenleistung gebunden und somit
nicht vor dem Jahr 2030 zu erwarten.
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Nicht vor 2030 |
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Der
Turing-Test |
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Schon
1637 fragte René Descartes in seiner "Abhandlung über die Methode
des richtigen Vernunftgebrauchs", wie sich Maschinen von Menschen
unterscheiden lassen
eine Frage, die wohl erst im 21. Jahrhundert
praktische Bedeutung erlangt. Er glaubte, zwei sichere Mittel gefunden zu
haben: |
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Maschinen können niemals Worte oder andere Zeichen so gebrauchen wie
Menschen |
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Maschinen
können nicht nach Einsicht handeln, sondern lediglich nach der
Disposition ihrer Organe |
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Der
Mathematiker Alan Turing (1912 - 1953 / Manchester) stellte 1950 die
gleichen Fragen und ersann zur Unterscheidung einen hinterhältigen
Wettstreit zwischen Mensch und Maschine. Dabei gilt die Maschine als
Gewinner, wenn sie dem Menschen erfolgreich vorgaukelt, sie sei ein
Mensch. Bei dem sogenannten Turing-Test kommunizieren Menschen über
Tastatur und Bildschirm mit einem unbekannten Partner. Ob der Partner ein
Mensch oder eine Maschine (Computer mit Software) ist, legt dabei ein
Zufallsmechanismus fest. |
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Der Nageltest |
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Es existieren verschiedene Definitionen, wann der
Turing-Test als bestanden gilt. Hier soll die Variante betrachtet werden,
bei der selbst ein Psychologenteam nach Stunden nicht sicher eine Maschine
hinter den Antworten erkennt. |
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Seit 1950 arbeiten viele kluge Köpfe eifrig
daran, eine Maschine zu konstruieren, die irgend eine Variante des
Turing-Tests besteht. Bisher gibt es zwar Teilerfolge, wie Maschinen, die
Schach spielen können oder gesprochene Worte erkennen. Aber ein
Durchbruch gelang bisher nicht. Einige Kritiker vertreten die Auffassung,
dass niemals eine Maschine den Test bestehen kann, da sie weder
Bewusstsein noch Gefühle besitzt. So könnte man durch geschicktes Fragen
die Maschine vor Situationen stellen, die nur überzeugend zu beantworten
sind, wenn sie Bewusstsein und Gefühle besitzt. |
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Bisher nur Teilerfolge |
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Sollte dieser Einwand zutreffen, ist auch die
RAMCES-Methode widerlegt, denn eine Maschine, die die in den
Videoaufzeichnungen enthaltenen Informationen aufschlüsseln soll, muss
jeden Turing-Test bestehen. |
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Zur Einschätzung, ob Maschinen jemals Bewusstsein
und Gefühle besitzen können, ist eine Definition dieser Begriffe
erforderlich. Doch schon hier verbergen sich je nach Weltanschauung
unterschiedliche Vorstellungen. Werden Bewusstsein und Gefühl mit
religiöser oder esoterischer Bedeutung verbunden, gilt beides zumeist als
etwas Unbegreifliches, Übernatürliches und nicht künstlich
Herstellbares. |
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Obwohl das Begreifen von Bewusstsein und Gefühl
noch in weiter Ferne liegt, nimmt zumindest die Zahl der Wissenschaftler
rapide ab, die Übernatürliches hinter diesen Phänomenen vermuten. Und
mit jeder Meldung über Fähigkeiten von Computern, die bisher nur
Menschen besaßen, schrumpft auch die Zahl derer, die glauben Bewusstsein
und Gefühl ist nicht simulierbar. |
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Diese Tendenz wird verständlich, wenn man
verfolgt, mit welcher Geschwindigkeit in den letzten Jahrzehnten Forscher
Details über das Gehirn aufdeckten. Insbesondere Neurologen und
Entwickler von intelligenter Software haben längst bemerkt, dass die
alten, ehrfürchtigen und bequemen Vorstellungen über das Bewusstsein bei
der Suche nach praktikablen Lösungen nicht weiterhelfen. Auch unter
Philosophen gewinnt die Auffassung an Bedeutung, dass die Evolution ohne
Hilfe von "Oben" fähig ist, Leben und Bewusstsein
hervorzubringen. |
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Eine stichhaltige Darlegung der
naturwissenschaftlichen und philosophischen Grundlagen, auf der die hier
vertretene Auffassung über das Bewusstsein fußt, würde allerdings den
Rahmen dieser Darstellungen bei weitem sprengen.9 |
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Um wenigstens einen Eindruck von den
gegenwärtigen Theorien und Erkenntnissen über Bewusstsein und Gefühl zu
vermitteln, hier einige Beispiele: |
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Eine
klare begriffliche Trennung von Bewusstsein und Gefühl ist oft nicht
sinnvoll. Menschliches Bewusstsein setzt vermutlich Gefühle voraus. |
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Bewusstsein
erfordert eine bestimmte Anzahl sich gegenseitig stützender Fähigkeiten.
Beispiele sind die Fähigkeiten: Neues mit Altem zu verknüpfen, innere
Räume zu simulieren, sich selbst in Relation zum Umfeld zu setzen,
Weltwissen einzuordnen, Tastsinn, Zeitgefühl, Langzeitgedächtnis,
Sprache und Orientierungssinn. |
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Jede
Fähigkeit setzt sich wiederum aus Bestandteilen zusammen
beim
Sprachverstehen sogar aus mehreren Millionen. Neuronal sind sie in
Schichten und zylinderartigen Strukturen organisiert. So gibt es beim
Gesichtssinn einzelne Strukturen, die jeweils darauf spezialisiert sind,
Kreise, Linien oder rechte Winkel wahrzunehmen; andere Strukturen sind auf
höherer Ebene nur für das Wiedererkennen von Gesichtern zuständig. |
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Die
Grobstruktur des Gehirns ist erblich. Beispielsweise befinden sich die
Bereiche für den Gesichts- und Geruchssinn bei den meisten Menschen an
der gleichen Stelle. |
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Das
Bewusstsein kann sich aufspalten. Dieses Phänomen tritt verstärkt nach
anhaltendem starken Stress oder traumatischen Erlebnissen auf. Vermutlich
handelt es sich um einen Schutzmechanismus. |
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· Die Zeit scheint im Bewusstsein ihrem eigenen
Verlauf zu folgen. Je nach Situation vergeht die Zeit höchst
unterschiedlich
sie kriecht geradezu, wenn wir uns langweilen. Auch
stellte der Neurophysiologe, Benjamin Libet, von der University of
California, experimentell fest, dass das Bewusstsein selbst direkte
Ereignisse wie etwa ein Geräusch immer um zirka 400 Millisekunden
zurückdatiert. Vermutlich wird so die Verarbeitungsgeschwindigkeit des
Gehirns mit der realen Welt synchronisiert. |
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· Übergeordnete Funktionen bei
Bewusstseinsprozessen kommen den sogenannten Neurotransmittern zu. Bereits
Bruchteile eines Milligramms sind in der Lage, die Wahrnehmung radikal zu
verändern. |
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Welche Nervenzellen absterben, erhalten bleiben oder sich
miteinander verknüpfen, folgen ähnlichen Gesetzen wie die Evolution.
Somit ist nicht der Computer eine geeignete Metapher für das Gehirn,
sondern eher der Dschungel. |
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Bis zu einem gewissen Umfang können ausgefallene Funktionen von anderen
neuronalen Strukturen übernommen werden. |
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Kreativität ist allein kein Merkmal für Bewusstsein. Etwa berichten
Wissenschaftler und Künstler häufig, dass ihnen Geniales einfiel,
während sich ihr bewusstes Denken um andere Dinge drehte. Komplexe
Handlungen erfordern ebenfalls kein Bewusstsein. So kann man längere Zeit
ein Auto steuern, während man sich bewusst mit anderem beschäftigt. Auch
Untersuchungen an Hypnotisierten belegen diese These. Lernfähigkeit
erfordert ebenfalls kein Bewusstsein. Selbst niedere Tiere sind
lernfähig. Dagegen: Bewusstsein erfordert Lernfähigkeit. |
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Die
Mehrzahl aller Vorgänge im Gehirn finden unbewusst statt. Man schätzt,
dass durchschnittlich zirka elf Millionen Bit je Sekunde unbewusst
verarbeitet werden
bewusst kann das menschliche Gehirn maximal 45 Bit je
Sekunde verarbeiten. |
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Anhand
dieser Punkte wird auch deutlich, dass man gut ohne offenen oder
versteckten Mystizismus bei der Entschlüsselung von Bewusstsein auskommt.
Langsam zerbröselt damit eine weitere Säule des menschlichen
Selbstbewusstseins
oder Hochmuts. Nicht nur, dass die Astronomen uns vom
Mittelpunkt der Welt an den Rand einer unscheinbaren Galaxie erklärten
und die Evolutionstheorie unseren Ursprung entmystifizierte, droht nun
auch noch die Dekodierung des Bewusstseins. Und schlimmer noch, wenn
nichts Übernatürliches für die Entstehung von Bewusstsein erforderlich
ist, könnten auch unsere eigenen Kreationen, die Maschinen, eines Tages
Bewusstsein und Gefühle entwickeln und damit den Turing-Test bestehen. |
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Freilich, noch ist es nicht soweit. Um Bewusstsein
und Gefühle künstlich erzeugen zu können, genügt es nicht sie zu
verstehen, man benötigt auch maschinell aufbereitetes Weltwissen. Denn
dass Bier an der Tankstelle mehr kostet als im Supermarkt, der Mond am
Horizont größer erscheint und Stechmücken verschwitzte Körperteile
bevorzugen, sollten Maschinen berücksichtigen, um den Turing-Test zu
bestehen. Kurz, sie benötigt ein aus zahllosen Informationen
zusammengesetztes Modell der Welt. Selbst die ausgetüftelsten Maschinen
haben bisher bestenfalls Bruchstücke davon in sich. Folglich sind auch
ihre Einsatzmöglichkeiten beschränkt. |
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Damit das nicht so bleibt, unterstützten
führende High-Tech-Unternehmen wie beispielsweise Microsoft, Hewlett
Packard und Boeing das CYC-Projekt. Seit 1984 verknüpft ein zirka
20köpfiges Team unter der Leitung von Douglas Lenat hunderttausende
Aussagen über die Welt. Wegen des enormen Umfangs kam man bisher nur
langsam voran. Jedenfalls gibt es gegenwärtig nur wenige Software mit
"CYC-Inside". |
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Ein Kleinkind lernt dagegen innerhalb weniger
Jahre, sich in der Welt zurechtzufinden. Vermutlich kommt man am ehesten
weiter, wenn man die Natur nachahmt. Dazu müsste man Roboter mit Sinnen
und Körperbewusstsein ausrüsten und sie befähigen, sich selbstständig
und gegenseitig mit Weltwissen zu versorgen. Sobald das gelingt, könnte
sich die Wissensbasis und damit die Intelligenz von Software schnell
multiplizieren. Denn Maschinen können Wissen milliardenfach schneller
aufnehmen und untereinander austauschen als Menschen. |
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Von der Natur lernen |
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In den Führungsetagen der Softwareunternehmen
scheint sich zunehmend herumzusprechen, dass ihre Produkte einen
Marktvorteil erhalten, wenn sie Weltwissen und Künstliche Intelligenz in
ihre Programme integrieren. So wird es vermutlich nicht einmal mehr 10
Jahre dauern bis Textverarbeitungsprogramme
genau wie eine gute
Sekretärin
schon am Satzanfang "erahnen", wie der Text
weitergeht und Bilderkennungsprogramme selbstständig alle Fotos mit Oma
und Enkelkindern mütterlicherseits finden. |
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Trieb- |
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Da offenbar der Turing-Test an die Simulation von
Bewusstsein gebunden ist und dieses wiederum an die Leistungsfähigkeit
von Rechnern, wird vermutlich vor dem Jahr 2030 keine Maschine ein
Expertenteam an der Nase herumführen. |
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Simulationen |
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Wenn
Sie jetzt die Augen schließen und sich einen Waldspaziergang vorstellen,
simulieren Sie in ihrem Gehirn eine virtuelle Welt. Was uns so mühelos
gelingt, ist technisch bisher nur unvollkommen möglich. Die mit heutigen
Rechnern geschaffenen virtuellen Welten sind noch grotesk einfach. Das
liegt in erster Linie an dem enormen Rechenbedarf der unzulänglichen
Software und den wenig entwickelten Ausgabe- beziehungsweise
Eingabegeräten. |
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Dennoch durchdringt Virtuelles schon jetzt unseren
Alltag. Wer will, kann Informationen in virtuellen Bibliotheken suchen,
Kleidung in virtuellen Kaufhäusern bestellen, Linksabbiegen im
Verkehrssimulator üben oder das Wochenende nach der virtuellen
Wetterkarte aus dem virtuellen Fernsehstudio planen. In wenigen Jahren
werden Schüler individuell die alten Griechen oder Regenwälder in
virtuellen Welten erleben und Mediziner eine komplizierte Operation am
virtuellen Patienten üben. |
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Virtuelles überall |
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Auch das virtuelle Abbild des Anwenders ließe
sich mit Virtualisierungstechnik aus den RAMCES-Aufzeichnungen erzeugen
(siehe Kapitel Zielstellung). An den dazu erforderlichen
Softwarebausteinen wird jedenfalls schon intensiv gearbeitet. So geben
Unterhaltungsfirmen heute Millionenbeträge für die Realisierung von
virtuellen Menschen aus
beispielsweise um Honorare zu sparen oder
lebensgefährliche Filmszenen zu realisieren. Doch von zufriedenstellenden
Lösungen ist man noch weit entfernt. Erste Ansätze bewegen sich
jedenfalls so unbeholfen, wie ein Kind, das die ersten Schritte wagt.
Zudem verschlingt die erforderliche Detailauflösung noch Unmengen von
Rechenzeit. |
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Einen Versuch, möglichst echt aussehende Menschen
zu virtualisieren, startete 1994 die Firma Digital Doman mit dem Projekt
HARD (Human Animation Research and Development). Ziel ist die Produktion
von Bausteinen, aus denen sich virtuelle Lebewesen zusammensetzen lassen.
Um beispielsweise die Form und Bewegung einer menschlichen Hand zu
erzeugen, muss jeder der 33 Muskeln, jeder der 27 Knochen, jede Ader und
jede Hautfalte anatomisch korrekt eingefügt sein. Hat man das jedoch
erreicht, lässt sich durch Modifizierung mit geringem Aufwand daraus
beispielsweise die Hand eines Kindes oder Pianisten virtualisieren. |
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Virtuelle Körper |
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Aber die Virtualisierung des menschlichen Körpers
ist nur ein Ziel. Gegenwärtig arbeitet man mit faustischem Eifer an der
Virtualisierung von nahezu allem, was wir aus der realen Welt kennen. Von
Simulationen einzelner Elementarteilchen über Moleküle, Zellen, Autos,
neuronale Netze, evolutionäre Systeme (wozu vermutlich auch das
Bewusstsein gehört) bis hin zum Urknall ist nichts ausgenommen. Somit
besteht Grund zu der Fiktion, dass in den nächsten Jahrzehnten auch
virtuelle Welten entstehen, die der Realen bis ins Detail gleichen
eine
frischgemähte Wiese wird dann auch in der virtuellen Welt nach Heu
duften. Weiter lässt sich mutmaßen, dass ein beliebiger Wechsel zwischen
realer und virtueller Welt möglich ist. Immerhin bewegt man sich schon
heute mit sogenannten Avatare (einer Art virtueller Stellvertreter)
zaghaft in virtuellen Welten. Sollte dieses zufriedenstellend gelingen,
sind auch Urlaubsreisen oder Rekonstruktionen in eine virtuelle Welt
vorstellbar. Auch hier hängt die Entwicklung von der verfügbaren
Rechenleistung ab. |
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Welt am Draht |
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Abschließend
möchte ich unter Berücksichtigung der oben genannten Entwicklungen die
Vorhersage wagen, dass eine wie auch immer geartete Rekonstruktion auf
Basis der RAMCES-Daten nicht vor dem Jahr 2050 möglich ist
sollte
allerdings ein Milliardenfach höherer Rechenaufwand erforderlich sein,
als hier angenommen, dann wohl nicht vor 2090. |
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